Jugendbildungsstätte Aiki-En
 Jugendschule und Coaching-Internat 

M-A-K: Motivations-Arbeits- und Kompetenztraining

Coaching statt Knast - Jugendstrafe ableisten statt absitzen

Vorbemerkung

 

Das Jugendstrafrecht sieht nicht nur bei den erzieherischen Hilfen, sondern auch bei Zuchtmitteln und sogar bei Jugendstrafen den Erziehungsauftrag eindeutig vor dem Strafen eines jungen Delinquenten.  Die Praxis zeigt jedoch, dass gerade mit Gefängnisstrafen (Jugendstrafe) viel eher ein gegenteiliger Erziehungseffekt bewirkt wird: der Subkultur einer JVA mit ihrer impliziten Hackordnung, illegalem Handel, Dominanz-Regime und dementsprechend reaktivem Verhalten des Wachpersonals kann sich kaum einer dauerhaft entziehen. Vielmehr kann es zu einer Feiung gegenüber einem bürgerlichen Rechtsbewusstsein und Legalität kommen, im Sinne einer Negativ-Prägung. Angst ist nie ein guter Lehrer!  Mit dem Ansatz „Coaching statt Knast“ soll hier ein anderer Weg beschritten werden: Die Strafe nicht ab-sitzen, sondern ab-leisten! Unser Konzept umfasst ein ganzheitliches Bündel von konfrontativ-fürsorglichen Maßnahmen. So müssen sich die Delinquenten tagtäglich mit sich selber auseinandersetzen, ihr bisheriges Leben reflektieren, grundlegende Fähigkeiten der Selbstkontrolle und Sozialisation gesichert erwerben und realistische Perspektiven für die weitere Zukunft erarbeiten. Die Einbettung in eine familiäre Lebensgemeinschaft zusammen mit den Pädagogen, Lehrern, Handwerkern und deren Kindern schafft ein für sie sehr vorteilhaftes Beziehungsgefüge, das emotionalen Halt gibt.  Klare, explizite Strukturen im Zeitablauf, in der Gruppenstruktur und Aufgabenverteilung bedienen den Bedarf nach äußerer Ordnung und sind für den Aufbau einer inneren Ordnung förderlich. Die permanente Zumutung der aktiven Selbstverbesserung wird in der Regel durchaus als Strafe empfunden!  Durch die schrittweise Hinführung zu einem selbstversorgerischen Leben und eine konsequente
In-Verantwortung-Nahme, schaffen wir einen klaren Lebenswelt-Bezug, der ein straffreies Leben danach ermöglicht. Soziale Integration findet bereits während der Maßnahme statt! In dem Zusammenhang liegt ein Hauptaugenmerk auf der Ausbildung innerer Fähigkeiten zur Selbstkontrolle und dem Training persönlicher Strategien der Selbststeuerung.
   Ein Angebot zur Nachbetreuung ergänzt dieses Konzept und sichert den Erfolg für den Einzelnen.

Die wichtigsten Aspekte im Überblick: Strafe ableisten statt absitzen

  • Klare Strukturen (in Aufgaben, Zeit und Gruppe): Strenge Setzung von Regeln und Ritualen.
  • Striktes Erziehungs- und Trainingsprogramm (siehe Wochenplan im Anhang): konsequente Strukturen, gemäß einer integralen Pädagogik fordern und fördern die Jugendlichen in allen Bereichen (körperlich, geistig und seelisch).
  • Werte-Erziehung und ethische Bildung: Die Vermittlung, Einübung und Abrufbarkeit von Tugenden und abendländischen Werten unterstützen die jungen Menschen im Integrationsprozess hin zu allgemeinen Lebens-(Gesellschafts-)Tauglichkeit
  • Familien-Struktur: Ein familiärer Krontext bietet Geborgenheit nach innen und Sicherheit außen → Klausur: Rücktritt aus der Gesellschaft, nicht wegsperren => Bezug bleibt.
  • Positive Entwicklungs-Hierarchien: Meisterung von Entwicklungs-Phasen und Reife-Stufen führt zu zunehmender Verantwortungsübernahme und größerer Aufgabenbereiche.
  • Feedback-Schleifen: stündlich (Noten-Bogen), täglich (Abend-Dialog), 14-tägig (Lehrgespräch), monatlich (Graduierungen), halbjährig (Phasen-/Stufen-Meisterung).
  • Betreuung aus einer Hand: Räumliche Einheit von Wohnen, Leben, Lernen und Arbeiten, eingebunden in ein Familien- und Gemeinschaftsleben vor Ort.

  • Peer-to-Peer-Ansatz: System von Vorbildfunktion und Verantwortungsübernahme.

  • Medien – Limitation: Verzicht auf ablenkende elektronische Medien.
  • Dialogische Führung: Mittels Gedanken und Gefühle reflektierenden Ich-Botschaften in täglichen Feedback-Schleifen authentisch kommunizieren lernen.

  • Einheitliche Kleidung (mit dem Farbgürtel der jeweiligen Stufe)

  • Abstimmung mit den natürlichen Rhythmen (bestimmt z.B. durch den Verlauf der Sonne - Sonnenaufgang, Sonnenuntergang - und durch die Jahreszeiten - Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter) fördert die Wiederherstellung des naturgegebenen inneren Gleichgewichts der Jugendlichen und schafft Bewusstsein für den Biorhythmus.

  • Konfrontation mit sich selbst: Führen eines Journals als persönliches Entwicklungstagebuch.
  • Physio-emotionales Training im Aikido: In der gemeinsamen Praxis des Aikido können sich die jungen Menschen sowohl konkret (körperliches Training), als auch subtil (Spüren der Energien, Absichten, Befindlichkeiten) und kausal (in meditativer, zentrierter Haltung) mit ihrer menschlichen Natur auseinandersetzen. Dies hat einen heilsamen Einfluss insbesondere auf Entwicklungs-Defizite und -Verzögerungen.

  • Angebote zur Aggressivitäts-Bewältigung: Praxisorientiertes Training, bei dem sowohl kognitive Lernprozesse (Erkenntnisgewinn) als auch praktische Anwendungen durch körperbetonte Übungen (Erfahrungsgewinn) zur Anwendung kommen.

  • Gemeinsame Morgen- und Abendpraxis, Singen, gymnastischer Ausdruckstanz, Lesungen: Gemeinschaft wird bewusst gelebt und die Gemeinschaft kann, anhand von gemeinsamer Praxis auch als ein Ganzes wahrgenommen und gemeinsam weiter entwickelt werden (Co-Evolution, statt unbeteiligter Co-Existenz).

  • Wall-Fahrten: Während der 5-tägigen Wall-Fahrten werden im Dreiklang von Gehen (Nachdenken/Selbstreflexion), Arbeiten (Beitrag leisten) und Bilden (Schulung und Erörterung) das kritische Selbstdenken gefördert und die eigene Urteilsfähigkeit erweitert. Der Begriff „Wallfahrt“ wird im ursprünglichen, wörtlichen Sinne mit intensiver pädagogischer Unterstützung bearbeitet: Das Problem der Delinquenz und dessen Ursachen soll auf dem Weg in „Wallung“ gebracht und von allen Seiten beleuchtet werden. Hierzu werden Fragen aus der aufgeklärt-humanistischen Ethik zur intensiven Bearbeitung und Reflexion gestellt. Im Sinne einer echten Wallfahrt wird das Problem der Delinquenz durch ein kleines Ritual am Zielort abgelegt/abgegeben.

  • Kompensation leisten: Hierzu dienen die Wall-Fahrten während der Motivations- und der Arbeits-Phase. Mit dem ´Opus Magnus` (gemeinnütziges Sozialprojekt) leisten sie in der Kompetenz-Phase einen weiteren symbolischen Ausgleich der Allgemeinheit und salvatorisch sich selbst gegenüber.

  • Kriminalprävention: Die jungen Menschen werden zur Verantwortung gezogen und auf ein selbständiges Leben ohne Delinquenz vorbereitet.

  • Nachbetreuung: Die Jugendlichen werden auch über der Aufenthalt hinaus begleitet. Dadurch soll die Integration erleichtert und durch weitere persönliche Betreuung die Quote einer erneuten Delinquenz weiter vermindert werden. Regelmäßige (Ehemaligen-) Treffen und Veranstaltung in der Jugendbildungsstätte Aiki-En dienen dem Feedback und sollen den Integrations-Prozess unterstützen.

  • Lebenslanges Lernen Leben (im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten).


Wer sich selbst beherrschen kann und sich selbst überwinden lernt,

der wird erfolgreich sein Leben meistern!“ *

(*Zitat: Morihei Ueshiba, Aikido-Begründer)